Wie kann die Solikampagne unterstützt werden?


Liebe Freund*innen!

Eine Spendenkampagne lebt vor allem durch Vielfältigkeit und Multiplikator*innen. Auch wenn wir, die Internationalist*innen der CDU-Besetzung vom 25.10.19 und unser soziopolitisches Umfeld, unser Bestes geben, um weiterhin gegen den Genozid in Kurdistan vorzugehen, auf den Komplex der kurdischen Freiheitsbe-wegung aufmerksam zu machen und die Repressionskosten für die Verfahren im Nachgang der CDU-Besetzung zu decken, sind unsere Möglichkeiten in Chemnitz doch begrenzt. Deswegen brauchen wir die praktische Solidarität von euch! Wir hoffen, mit unserer Analyse und unseren Aktionen, ein wenig für Inspiration zu sorgen und die Notwendigkeit einer internationalistischen Intervention in Europa hervorzuheben. Wir erwarten nicht, dass ihr eure Arbeitsschwerpunkte und sozia-len Kämpfe vernachlässigt, um uns zu unterstützen, aber wir wünschen uns ein wenig Rückhalt und gedankliche Teilhabe. Wir hoffen darauf, dass ihr unsere Kampagne und unsere Ziele bei euren Projekten mitdenkt und Geld sammelt, wo immer es möglich ist. Wir freuen uns auf eure Aktionen und Spenden! ❤️

Serkeftin! (kurdisch: „Seid erfolgreich!“)

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UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR EINZELPERSONEN

1. Erzähle allen Menschen in deinem Umfeld von dem Krieg in Kurdistan,
der CDU-Besetzung in Chemnitz und der Solikampagne!

2. Überlege, an welchen Orten und in welchen Locations Solimaterial (Plakate, Flyer) aufgehängt oder verteilt werden kann. Frage direkt in den Locations, ob das möglich ist oder schicke uns gern eine Liste und wir übernehmen die Kommuni-kation. Wir bemühen uns, das Solimaterial zeitnah zu verschicken!

3. Überlege, ob Menschen in deinem Umfeld bereit wären, Geld für die Solikampagne zu spenden und somit die Kampagne und Repressions-
kosten teilweise zu finanzieren. Erzähle ihnen von der Kampagne und
bitte sie um eine Spende. Auch kleine Beträge sind wertvoll!

4. Überlege, ob du und vielleicht einige Freund*innen Kapazitäten haben, um kleinere Spendenaktionen zu starten. Zum Beispiel können in solidarischen Clubs oder bei kulturellen – oder Bildungsveranstaltungen Spendendosen am Einlass aufgestellt werden. Mit einer Essensbude, einer Cocktailbar oder anderen Ver-kaufsständen bei Festivals, Stadtfesten oder Nachbarschaftsevents kann schnell und einfach viel Geld eingenommen werden. Auch durch Straßenmusik, Spenden-sammlungen an belebten öffentlichen Orten oder auf Demonstrationen können kleinere Beiträge zustande kommen. Es gibt viele Möglichkeiten! Schreibt uns gern an, um eure Ideen zu diskutieren oder falls ihr euch organisatorische Hilfe wünscht. Schickt uns gern Fotos von euren Aktionen!

5. Wenn du Kontakt zu Journalist*innen, Medienschaffenden oder Pressevertre-ter*innen hast, oder es in deiner Stadt ein cooles Stadtmagazin gibt, kannst du anfragen, ob die Möglichkeit besteht, unseren Spendenaufruf abzudrucken, ein Interview mit uns zu führen oder auf andere Weise auf die Kampagne aufmerksam zu machen! Andernfalls freuen wir uns auch über die Vermittlung von Kontakten oder Hinweise auf Medien, welche uns unterstützen könnten!

UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR GRUPPEN, VEREINE UND ORGANISATIONEN

1. Macht über eure Internetkanäle, analoge Medien und in euren Räumlichkeiten auf den Krieg in Kurdistan, die CDU-Besetzung in Chemnitz und die Solikampagne aufmerksam! Schickt unseren Spendenaufrauf an alle befreundete Gruppen / Vereine / Organisationen. Je mehr Menschen von der Kampagne erfahren, desto mehr Spenden können aquiriert werden und umso mehr Menschen werden auf
den unmenschlichen Krieg in Kurdistan aufmerksam!

2. Überlegt, ob in euren Räumlichkeiten oder in anderen Locations Solimaterial (Plakate, Flyer) aufgehängt oder verteilt werden können. Fragt direkt in den Locations, ob das möglich ist oder schickt uns gern eine Liste und wir übernehmen die Kommunikation. Wir bemühen uns, das Solimaterial zeitnah zu verschicken!

3.
Überlegt, ob ihr als Gruppe / Verein / Organisation, Geld für die Solikampagne spenden könnt, um somit die Kampagne und Repressionskosten teilweise zu finanzieren. Erzählt euren Mitgliedern und eurem Publikum von der Kampagne
und bittet sie um eine Spende. Auch kleine Beträge sind wertvoll!

4. Überlegt, ob ihr Kapazitäten habt, um Spendenaktionen zu starten. Zum Bei-
spiel könnt ihr bei euren Veranstaltungen Spenden sammeln. Auch in solidarischen Clubs oder bei kulturellen – oder Bildungsveranstaltungen können Spendendosen am Einlass aufgestellt werden. Mit einer Essensbude, einer Cocktailbar oder ande-ren Verkaufsständen bei Festivals, Stadtfesten oder Nachbarschaftsevents kann schnell und einfach viel Geld eingenommen werden. Durch Solipartys kann in kurzer Zeit sehr viel Geld eingenommen werden. Es gibt viele Möglichkeiten! Schreibt uns gern an, um eure Ideen zu diskutieren oder falls ihr euch organisa-torische Hilfe wünscht. Schickt uns gern Fotos von euren Aktionen!

5. Wenn ihr Kontakt zu Journalist*innen, Medienschaffenden oder Pressever-treter*innen habt, oder es in eurer Stadt ein cooles Stadtmagazin gibt, könnt ihr anfragen, ob die Möglichkeit besteht, unseren Spendenaufruf abzudrucken, ein Interview mit uns zu führen oder auf andere Weise auf die Kampagne aufmerksam zu machen! Andernfalls freuen wir uns auch über die Vermittlung von Kontakten oder Hinweise auf Medien, welche uns unterstützen könnten!

Anmerkung:
Sollte es aus bestimmten Gründen nicht möglich sein, Spenden
auf unser Spendenkonto zu überweisen, können wir gern eine
persönliche Übergabe arrangieren.

How can you support the campaign of solidarity?


Dear friends,

A fundraising campaign lives above all through diversity and multipliers. Even though we – the internationalists of the CDU-squat on 25 October 2019 and our socio-political environment – do our best to continually go against the genocide in Kurdistan, to draw attention to the complex of the Kurdish Freedom Movement, and to cover the costs of repression for the legal proceedings in the wake of the CDU-squat, our opportunities in Chemnitz are still limited. Therefore, we need your practical solidarity! We hope to provide a little inspiration through our analysis and actions and to highlight the necessity of an internationalist intervention in Europe. We do not expect you to neglect your work priorities and social struggles to support us, but we wish for some support and intellectual participation. We hope that you will think of our campaign and our aims during your projects and raise money wherever it is possible. We are very excited for your actions and donations! ❤️

Serkeftin! (kurdish: „Be successful!“)

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POSSIBILITIES OF SUPPORT FOR INDIVIDUALS

1. Tell all people the around you about the war in Kurdistan, the CDU-squat in Chemnitz and the campaign of solidarity!

2.
Consider places and locations where material (posters, flyers) can be put up or distributed. Ask directly in these locations whether this is possible or feel welcome to send us a list and we will take care of the communication. We will endeavor to send the materials as soon as possible!

3. Consider whether people around you would be willing to donate money for the campaign of solidarity and thus to partially finance the campaign and the costs of repression. Tell them about the campaign and ask them for a donation. Even small contributions are valuable!

4. Consider whether you and perhaps some friends have capacities to start small fundraisers. For example, donation boxes can be placed at the entrance of clubs that show solidarity or during cultural or educational events. With a food stall, a cocktail bar, or other stalls at festivals, city events, or neighborhood events, a lot of money can quickly and easily be made. Also with street music or fundraising in much-used, public places or at demonstrations small contributions can be gather-ed. There are many possibilities! Feel free to reach out to us to discuss your ideas – or if you need organizational help. Please be welcome to send us photos of your actions!

5. If you are in contact with journalists, media makers or media representatives, or if you have a cool city magazine, you can request if it is possible to print our appeal for donations, to conduct an interview with us, or to draw attention to the campaign in a different way! Otherwise, we are also happy if you provide contacts or refer-
ences to media that could support us!


POSSIBILITIES OF SUPPORT FOR GROUPS AND ORGANISATIONS

1. Draw attention to the war in Kurdistan, the CDU-squat in Chemnitz and the solidarity campaign via internet channels, analogue media and in your facilities! Send our appeal for donations to all friendly groups / associations / organisations. The more people learn about the campaign, the more donations can be acquired and the more people become aware of the inhuman war in Kurdistan!

2. Consider whether you can put up or distribute material (posters, flyers) in your facilities or other locations. Ask directly in these locations whether this is possible or be welcome to send us a list and we will take care of the communication. We
will endeavor to send the materials as soon as possible!

3. Consider whether your group / association / organization can donate money for the campaign of solidarity and thus to partially finance the campaign and the costs of repression. Tell your members and your audience about the campaign and ask them for a donation. Even small contributions are valuable!

4. Consider whether your group has the capacity to start small fundraisers. For instance,you can collect donations during your events. Donation boxes can be placed at the entrance of clubs that show solidarity or during cultural or educational events. With a food stall, a cocktail bar or other stalls at festivals, city events or neighborhood events, a lot of money can quickly and easily be made. Also with street music or fundraising in much-used, public places or at demonstrations small contributions can be gathered. There are many possibilities! Feel free to reach out to us to discuss your ideas or if you need organizational help. Please be welcome to send us photos of your actions!

5. If you are in contact with journalists, media makers or media representatives, or if you have a cool city magazine, you can request if it is possible to print our appeal for donations, to conduct an interview with us, or to draw attention to the campaign in a different way! Otherwise, we are also happy if you provide contacts or refer-
ences to media that could support us!

Note:
If it is not possible for certain reasons to transfer donations to our donation bank account, we care to arrange a personal handover of the donation.

Kommentar zum FP-Artikel „Besetzer von CDU-Büro lehnen Geldstrafen ab“

Quelle: Freie Presse: Besetzer von CDU-Büro lehnen Geldstrafen ab. Sandra Häfner. 16.07.2020

Mitte Juli veröffentlichte die größte Lokalzeitung der Stadt einen Artikel über die Repression im Nachgang der CDU-Besetzung. In dem Artikel befinden sich Falschinformationen, die wir richtig stellen wollen.

Der erste Fehler ist im zweiten Satz des Artikels zu finden. Nicht 14, sondern 13 Internationalist*innen hielten das CDU-Büro im Oktober 2019 für mehrere Stunden besetzt. Die von der Polizei vermutlich mitgezählte 14. Person hat eine Anzeige wegen Mittäterschaft bekommen, war jedoch niemals in dem CDU-Büro.

Des Weiteren kritisieren wir die Verwendung des Begriffes „Sympathisanten“ zur Umschreibung der Aktivist*innen. Diese Wortwahl könnte irreführenderweise den Leser*innen suggerieren, es handelte sich um Sympathisant*innen der CDU. Außerdem bedarf es etwas mehr als Sympathie, um eine derartige politische Aktion durchzuführen und die Polizeigewalt und Repression in Kauf zu nehmen. Mit Bezeichnungen wie „Aktivist*innen“, „Protestierende“ oder „Internationalist*innen“ sind Sie auf dem richtigen Weg.

Unseres Wissens nach haben lediglich drei Personen Einstellungen der Ermittlungen erhalten. Entweder handelt es sich hierbei um eine Fehlinformation, oder die Behörden haben Probleme mit ihrem Postverkehr.

Die Summen der Geldstrafen berufen sich auf 1200€ bis 2700€ pro Internationalist*in. Insgesamt sollten die Internationalist*innen der CDU-Besetzung dem Staat eine Strafe in Höhe von 11.700€ zahlen. Hinzu kommen die Kosten, welche die Polizei rechtswidrig erheben will, um den Polizeieinsatz durch die Aktivist*innen refinanzieren zu lassen. Sowohl gegen die Zahlungsbescheide, als auch gegen die Strafbefehle, haben die meisten Betroffenen Einspruch eingelegt. Derzeit erwarten sie die erste Einladung zum Gerichtsprozess.

Im letzten Abschnitt schreibt die Freie Presse, die Staatsanwaltschaft hätte für einige Personen Haftbefehle beantragt und diese aus der Untersuchungshaft entlassen. Diese Information ist völlig aus der Luft gegriffen. Es haben sich niemals Internationalist*innen von der Besetzung im Nachgang in Untersuchungshaft befunden. Eine Internationalistin wurde am Tag der Besetzung für mehrere Stunden in Gewahrsam genommen und noch am 25.10.2019 wieder entlassen.

Wir finden diesen Artikel der Freien Presse beschämend und appellieren an die Umsetzung der journalistischen Prinzipen. Wie wir dargelegt haben, mangelt es dieser Recherche an Wahrhaftigkeit und Sorgfalt. Eine Befragung der Polizei ist nicht ausreichend (und selten notwendig), um einen qualitativen Bericht über lokale Ereignisse zu schreiben. Vielmehr sollten Sie die Perspektive der Aktivist*innen einholen, welche immer eine andere sein wird, als die der Polizei. Wir fordern eine offizielle Richtigstellung und sind zukünftig gern bereit, Ihre Fragen zu beantworten.

Repression #2

Der Kampf mit den staatlichen Repressionen gegen die 13 Aktivist*innen, welche am 25. Oktober 2019 das Chemnitzer CDU-Büro besetzten, geht weiter.

Nachdem fast alle Internationalist*innen Widerspruch gegen die Zahlungsauffor-derung der Polizeidirektion Chemnitz eingereicht haben und nun bis Ende Juli Zeit haben, ein Begründungsschreiben einzureichen, kehrte vorerst etwas Ruhe ein. Doch im April diesen Jahres bekamen drei der Aktivist*innen eine Ermahnung von der Staatsanwaltschaft und somit eine Einstellung ihres Verfahrens!
Kurz darauf erreichten uns jedoch die ersten Strafbefehle.

Die geforderten Strafzahlungen betragen pro Person zwischen 1200 und 2700 Euro, aufgeteilt auf 60 bis 100 Tagessätze. Somit befinden sich unsere Repress-ionskosten bereits im fünfstelligen Bereich. Auch gegen die Strafbefehle konnten die Betroffenen rechtzeitig Einspruch einlegen und bereiten momentan die Begründungen mit ihren Anwält*innen vor. Derzeit haben nur 4 Personen, welche im Zusammenhang mit der CDU-Besetzung von Repression betroffen sind, weder eine Einstellung noch einen Strafbefehl bekommen.

Wir halten euch über die weiteren Ereignisse auf dem Laufenden.
Der Kampf gegen Repression geht unentwegt weiter!

SPENDENAUFRUF

SPENDENAUFRUF FÜR INTERNATIONALIST*INNEN

Spendenkonto der Roten Hilfe Chemnitz

IBAN: DE31 4306 0967 4007 2383 61
BIC: GENODEM1GLS
Betreff: CDUbesetzen

Am 25. Oktober 2019 besetzten 13 Internationalist*innen erfolgreich das CDU-Wahlkreisbüro in Chemnitz. Nun laufen Ermittlungen gegen alle Beteiligten und die ersten Strafbefehle ergeben Repressionskosten im fünfstelligen Bereich.

Am 9. Oktober startete die militärische Invasion der türkischen NATO-Armee
und ihrer verbündeten dschihadistischen Milizen gegen die Menschen in Nord-
und Ostsyrien (Rojava). Dieser Krieg dient keineswegs der „Grenzsicherung“, sondern faktisch der Vernichtung der kurdischen Identität und aller im Zuge der Revolution in Rojava geschaffenen Errungenschaften. Aufgrund der politischen, wirtschaftlichen und personellen Verbindungen der BRD mit der kolonialfaschis-tischen Präsidialdiktatur der Türkei, sahen sich Internationalist*innen in Chemnitz gezwungen, Protest zu verüben.

Dieser unmenschliche Vernichtungsfeldzug der Türkei gegen die Menschen in Kurdistan reiht sich ein in eine jahrzehntelange Tradition des Genozids und Femi-zids an Kurd*innen, Jesid*innen, Armenier*innen und vielen anderen unterdrückten Minderheiten in Westasien. Im April 2018 gelang es dem türkischen Staat mit einer Armee aus Dschihadisten unter Einsatz von deutschen Panzern und Kriegstechnik nach dreimonatigen Kämpfen mit den YPG/YPJ die Stadt Êfrin völkerrechtswidrig zu annektieren. Nun befindet sich die gefallene Stadt unter Schreckensherrschaft von religiösen Fundamentalisten und die AKP setzt sich zum Ziel, durch Ansied-lung von IS-Familien und arabischen Geflüchteten die Demografie der Region nachhaltig zu ändern – und Kurd*innen von der Karte zu tilgen.

Als in Efrin Bomben fielen, hat die internationale Gemeinschaft geschwiegen.
Als die türkische Armee und Dschihadisten verschiedenster islamistischer Organisationen, wie Al-Nusra und dem IS, 2019 in Rojava einfiel, bombardierte, exekutierte, Chemiewaffen einsetzte, vertrieb, plünderte und vergewaltigte, schwiegen die Herrschenden abermals. Hunderttausende Internationalist*innen tragen seitdem ihren Protest, ihre Wut und ihre Solidarität mit den Menschen in Rojava und einer einzigartigen Revolution auf die Straße.

Um gegen die kriegerische Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der Türkei zu protestieren, besetzten am 25. Oktober 13 Internationalist*innen erfolgreich das CDU-Wahlkreisbüro am Markt in Chemnitz. Im Verlauf eines simulierten Interviews mit der Kreisvorsitzenden gelangten die Aktivist*innen gewaltfrei und unbewaffnet in das Parteibüro. Drei der Besetzer*innen ketteten sich mit Eisenschlössern irre-versibel an eine Absturzsicherung am Fenster. Aus den Fenstern im zweiten Stock wurde während der ganzen Besetzung mit Passant*innen und der unterstützenden Kundgebung vor dem Haus der CDU-Geschäftsstelle kommuniziert. Während den Verhandlungen mit der Polizei und der anschließenden Räumung verhielten sich alle Besetzer*innen entschlossen und gewaltfrei. Durch Angebote, Provokationen und Beleidi-gungen von Einsatzleitung und Beamten ließen sich die Internationa-list*innen nicht aus dem Konzept bringen. Trotz aller Zurückhaltung wendete die Polizei bei der Räumung permanent Schmerzgriffe und rohe Gewalt an. Nach fast vier Stunden war das CDU-Büro vollständig geräumt. Allen Besetzer*innen wurde nach der Räumung ein Platzverweis erteilt, eine Internationalistin wurde aus insze-nierten Gründen für mehrere Stunden in der Hauptwache gefangen gehalten.

Nach der Aktion suchten zwei Internationalist*innen mit Verletzungen an Kopf, Händen und Rippen einen Notfallchirurgen auf. Im Nachgang der Aktion wurden alle 13 Besetzer*innen beschuldigt, sich strafbar gemacht zu haben gemäß §§240, 123 StGB (Hausfriedensbruch, Nötigung) und §§ 17, 28 SächsVersG (Verbot von Vermummung u. Schutzwaffen bei Versammlungen). Eine weitere Person, welche auf der Kundgebung ein Interview gegeben hat, wurde wegen Mittäterschaft ange-klagt. Mehrere Aktivist*innen haben nun, zusätzlich zu Zahlungsaufforderungen, welche den Polizeieinsatz refinanzieren sollen, Strafbefehle erhalten. Gegen die geforderten Geldstrafen werden wir juristisch vorgehen. Die Strafzahlungen betra-gen pro Person zwischen 1200€ und 2700€, aufgeteilt auf 60 bis 100 Tagessätze. Somit befinden sich unsere Repressionskosten bereits im fünfstelligen Bereich.

WIR WERDEN HEUTE LAUTER SEIN DENN JE!

Es zeichnet sich ab, dass die nächste Eskalation kurz bevor steht. Im Angesicht der Corona-Pandemie und dem globalen Angriff auf die Gesellschaften, im Ange-sicht der wachsenden Aggression des türkischen Faschismus in Kurdistan und in der gesamten mittelöstlichen Region heißt es, im Sinne einer internationalen anti-faschistischen, antiimperialistischen und antikapitalistischen Front, gemeinsam Hand in Hand den Widerstand zu organisieren und sich auf den nächsten Angriff auf Rojava vorzubereiten. Der türkische Faschismus wird weder in Libyen, noch im Mittelmeer gestoppt werden, sondern in Rojava, in den Bergen Kurdistans und mit dem Aufstand in den Metropolen wird er sein Ende finden. Wir sehen uns als Teil der internationalen revolutionären Linken in der Verantwortung, die basisdemokra-tische, ökologische Frauenrevolution in Rojava zu verteidigen. Nichts wird uns da-von abbringen, Seite an Seite mit den Freund*innen in Rojava für die Revolution in Westkurdistan und gegen den Faschismus zu kämpfen.

Wir rufen hiermit alle Freund*innen dazu auf, unsere Spendenkampagne zu unterstützen. Werdet Teil der Spendenkampagne und sammelt Geld bei euren Veranstaltungen, oder auf der Straße. Kauft unsere Solishirts! Jeder Cent zählt!

Berxwedan Jîyan e! Widerstand heißt Leben!

Bijî berxwedane Rojava! Lang lebe der Widerstand in Rojava!

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Soli T-Shirt „DEFEND ROJAVA“

In Chemnitz wurde am 25.10.2019 das Wahlkreisbüro von Frank Heinrich (CDU) durch 13 Internationalist*innen besetzt, um auf den völkerrechtswidrigen Angriffs-krieg der Türkei auf Rojava aufmerksam zu machen. Diese Besetzung wurde gewaltsam von der Polizei geräumt. Die Repressionkosten sind aktuell schon in einem fünfstelligen Bereich. Damit solche und andere Aktionen weiterhin stattfinden können, würden wir uns freuen, wenn ihr euch solidarisch zeigt und ein T-Shirt kauft. Die Shirts sind zu 100% aus Baumwolle und fairtrade. Die Einnahmen des Vertriebs gehen zu 100% an die Kampagne. Bei finanziellem Überschuss wird das Geld an ähnliche Projekte oder Gruppen gespendet. Ihr könnt natürlich auch direkt an die Solikampagne CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR! spenden. Alle Informationen zur Besetzung und umfassende Informationen zu dem Krieg in Kurdistan findet ihr auf diesem Blog.

Die T-Shirts könnt ihr bei BLACK MOSQUITO bestellen.

Vorderseite

Rückseite

Berxwedan Jîyan e! Widerstand heißt Leben!
Bijî berxwedane Rojava! Lang lebe der Widerstand in Rojava!


ANMERKUNG ZUM DESIGN

Wir sind uns bewusst, dass eine Kriegswaffe ein provokantes Motiv für ein T-Shirt darstellt und durchaus ohne tiefere Überlegungen als kriegsverherrlichend interpre-tiert werden kann. Wir wissen auch, dass wir mit einem anschlussfähigeren Motiv eine breitere Masse erreichen könnten und somit auch mehr Geld einnehmen wür-den, um unsere Repressionskosten zu decken. Wir haben jedoch die AK-47 als Motiv gewählt, weil wir diese Waffe als Symbol für die Selbstverteigidungskraft der Revolution in Rojava betrachten. Abdullah Öcalan, der ideologische Vordenker der kurdischen Befreiungsbewegung, schrieb 2011 in „Die Roadmap für Verhandlung-en“ über das Prinzip der Wehrhaftigkeit von Demokratien. „Die demokratische Gesellschaft und das freie Individuum müssen nicht nur revolutionäre und evolutio-näre Fortschritte hervorbringen, sondern gleichzeitig auch das Problem der Selbst-verteidigung lösen. Die jüngste Phase der strukturellen Krise der kapitalistischen Moderne hat die Selbstverteidigung zum dringendsten Problem gemacht. Jede Gemeinschaft muss sich als Selbstverteidigungseinheit konstituieren, ebenso wie als ökonomische, ökologische und demokratische Einheit.“

Im Zuge der Revolution in Rojava bildeten sich ab 2011 bewaffnete Selbstvertei-digungsstrukturen, um die Gesellschaft gegen Angriffe des syrischen Regimes
und fundamentalistischer Rebellen-Armeen zu verteidigen. Seitdem kämpfen die Freund*innen in Kurdistan Seite an Seite gegen repressive und imperialistische Großmächte und dschihadistische Armeen, wie den Islamischen Staat und Al-Nusra. Ohne die selbstlose Aufopferungsbereitschaft und die militärische Ent-schlossenheit der Selbstverteidigungskräfte, wäre es niemals möglich gewesen, die Zivilbevölkerung und die demokratischen Errungenschaften von Rojava zu schützen. Die Anwendung von Gewalt erscheint in diesem Zusammenhang als unmittelbare Notwendigkeit.

Es ist nicht unser Ziel, die Verteidigung der Revolution in Rojava mit all ihren zivi-
len Errungenschaften der Organisierung auf den bewaffneten Kampf zu reduzieren. Dennoch spielt dieser eine besondere Rolle – einerseits im Kontext des Krieges im Mittleren Osten, andererseits im Zuge der Frauenrevolution. Dass sich Frauen in Kurdistan aus feudal-patriarchalen Familienstrukturen erheben und gegen Unter-drückung und Versklavung kämpfen, zeugt von einem tiefen gesellschaftlichen Umbruch. Eine Frau, die eine Waffe trägt, das Herrschaftssymbol des Mannes, rüttelt an den Grundfesten des Patriarchats. Mit dem Motiv wollen wir Diskussio-
nen zu diesem Kampf, der kategorischen Ablehnung jeglicher Anwendung von Gewalt und der Rolle der BRD als viertgrößten Waffenexporteur der Welt (Stand März 2020), sowie der Lieferung von Kriegswaffen und Rüstungsgütern der Bun-desregierung an die Türkei anregen.

Soli-Graffiti aus Magdeburg ❤️

Die Freund*innen vom SOLIBÜNDNIS KURDISTAN MAGDEBURG haben
am 25. Mai 2020 ein sehr schönes Graffiti in Solidarität mit CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR! gemalt. Danke für eure Unterstützung! Liebe Grüße zurück
und viel Erfolg für eure weitere politische Arbeit!
Serkeftin! (kurdisch: „Seid erfolgreich!“)


„Von Magdeburg bis nach Karl-Marx-Stadt! Wir senden euch heute ein kleines Zeichen der Solidarität! Im Oktober letzten Jahres wurde in Chemnitz das Parteibüro der CDU besetzt, um auf den Angriffskrieg der Türkei gegen die Autonomieregion Rojava aufmerksam zu machen. Während der Angriffskrieg weiter tobt, werden die Freundinnen und Freunde mit Repression überzogen. Eure Solidarität ist gefragt! Spendet an die Betroffenen!“

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Blog vom Solibündnis Kurdistan Magdeburg

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Interview mit Radio Corax – Besetzung und Kampagne

Radio Corax ist ein Freies Radio im Raum Halle, welches eng mit diversen Subkulturen und Musik-Szenen verbunden ist. Als nichtkommerzielles Lokalradio sendet Radio Corax 24 Stunden täglich. Corax ist Mitglied im Bundesverband Freier Radios (BFR) und im Community Media Forum Europe (CMFE). Seit 2013 ist Radio Corax auch Mitglied bei AMARC. Getragen wird der Sender vom gemeinnützigen Radioverein Corax e. V., der 1993 gegründet wurde. Die Sendungen werden zum größten Teil von eigenen Redaktionen gestaltet. Diese bestehen aus Einzelpersonen, Künstler*innen, Migrant*innen, Schüler*innen, Kindern, antirassistischen und anderen Projektgruppen.

Beitrag vom 20.05.2020

Radio Corax: Im Oktober [2019] gab es die [CDU-]Besetzung. Was war der Anlass für die Besetzung?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Der Anlass war der Krieg gegen die Selbstverwaltungsgebiete in Rojava also praktisch Nordostsyrien. Der türkische Staat hat am 9. Oktober 2019 mit einer Großoffensive begonnen, die kurdisch besiedelten Städte anzugreifen und einen ethnischen Säuberungskrieg durchzuführen. Wir sahen die CDU in der Verantwortung, durch ihre Waffenexporte, durch die Duldung des Krieges und die Finanzierung von Erdogans Regime. Der Anlass, die CDU zu besetzen, war auch, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die Verantwortlichen auch hier sind, nicht nur in Chemnitz und Leipzig, dass die Kriegsverantwortlichen nicht nur aus Ankara und Moskau stammen, sondern auch in Berlin im Bundestag organisiert sind.

Radio Corax: Inwiefern gibt es eine Verantwortung von der deutschen Politik für den türkischen Angriffskrieg?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Die deutsche Politik war in den letzten 20 Jahren verantwortlich für fast alle Kriege auf diesem Planeten. Wenn wir uns die Studien anschauen, die 2018 raus kamen, zeigen sie, dass alle elf Minuten ein Mensch durch eine deutsche Kugel stirbt. Wir müssen uns die Statistiken anschauen, wie das Geschäft von Waffenexporten in Deutschland den weltweit den dritten Platz einnimmt und Milliardengeschäfte gemacht werden und vor allem an die Türkei verkauft wird, seien es leichte oder schwere Waffen, wie Leopard II Panzer, die auch in dem Krieg [in Rojava] eingesetzt werden. Die Panzer, die in Deutschland produziert wurden, sind gerade in den Händen der Dschihadisten, die mit der türkischen Armee Städte [in Rojava] besetzt haben und der Krieg geht immer noch voran.

Radio Corax: Die Besetzung zielte darauf ab, eine Öffentlichkeit zu schaffen. Was wurde durch die Besetzung erreicht?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: In meinen Augen wurde durch die Besetzung der CDU vieles erreicht, weil der Öffentlichkeit gezeigt wurde, dass die Hauptursache von Flucht Krieg ist und diese Kriege zwar, wie deutsche Politiker*innen immer behaupten, im Hintergrund stattfinden, also in Lybien, Syrien, im Irak oder in Kurdistan, aber diese Kriege nicht nur von Ankara befürwortet werden, sondern auch von Berlin, Moskau und Washington vorbereitet sind. Die Öffentlichkeit muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch wir Verantwortung tragen.

Radio Corax: Welche Reaktionen gab es [auf die CDU-Besetzung] in Chemnitz?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Es gab verschiedene Reaktionen. Einerseits haben Teile der Bevölkerung die Aktion befürwortet, als sie davon erfahren haben, andererseits kam es auch dazu, dass sich [zwei] Neonazis um die Kundgebung versammelten und Provokationen stattfanden. Wie man sieht, wird der Faschismus, werden die Neonazis hinter der CDU stehen, weil auch sie die Waffenexporte befürworten, aber die demokratische Zivilgesellschaft steht hinter uns und hat ihre Solidarität bekundigt. Zum Beispiel die Jugendlichen aus Chemnitz [von Fridays For Future] haben spontan eine Kundgebung angemeldet.

Radio Corax: Wie lief die Besetzung ab? Wann ist die Polizei eingeschritten?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Die Polizei kam höchstens zehn Minuten nach Beginn der Besetzung, als es schon die erste Mitteilung der Aktion über Social Media gab. Die [Mitarbeiterin der CDU] hat der Polizei so schnell wie möglich Bescheid gegeben und diese erschien mit einer Aggressivität, als wäre in dem CDU-Büro in Verbrechen begangen worden. Einige Genoss*innen wurden auch verletzt, weil die Polizist*innen der Meinung waren, dass man ihnen weh tun kann.

Radio Corax: Welche Strafverfahren wurden im Nachgang eröffnet?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Es gibt gegen jede*n Besetzer*in Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch und Nötigung [sowie wegen Verstoß gegen das Sächsische Versammlungsgesetz. Eine Person, welche vor dem CDU-Büro eine Pressemitteilung abgegeben hat, wurde wegen Mittäterschaft angezeigt]. Die meisten haben noch keine Post von der Staatsanwaltschaft bekommen, aber dass polizeiliche Ermittlungen gegen uns laufen, ist uns bekannt.

Radio Corax: Kann man schon absehen, in welchem Rahmen sich die zu erwartenden Strafen bewegen?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Ich erwarte keine hohen Strafen, wir werden allerdings versuchen, diesen Prozess so politisch wie möglich zu halten, weil es einen Anlass für diese Aktion gab. Es gibt einen Anlass dafür, dass hunderttausende Menschenleben gefährdet wurden und sind und dafür, dass sich die Politik ändern muss.

Radio Corax: Jetzt gibt es eine Spendenkampagne für diejenigen, denen Strafprozesse drohen. Wie kann die Kampagne unterstützt werden?

CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!: Es gibt [Flyer und] Plakate mit dem Spendenkonto, [sowie eine Website der Kampagne]. Auch auf anderen Websites wie Indymedia oder Social Media wie Facebook und Twitter wurde der Spendenaufruf verbreitet. Die Kampagne ist auch ein Aufruf, zur Legitimität von Aktionen des zivilen Ungehorsams, wie Besetzungen von politischen Parteibüros, und dass diese nicht in die Illegalität rücken dürfen. Die Jugendlichen, die sich in der Verantwortung gesehen haben, sich gegen so einen Krieg zu stellen, gegen ein Menschheitsverbrechen, müssen weiterhin unterstützt werden, damit sie nicht nur politische Aktionen wegen Rojava machen können, sondern [wegen den Zuständen] überall auf der Welt, zum Beispiel weil während der Corona-Pandemie das Mittelmeer ein noch viel düsterer Friedhof wird. Solchen Jugendlichen muss die Möglichkeit gegeben werden, weiterhin Aktionen zu machen.

Kampagnenstart „CDU besetzen? – Unbezahlbar!“

Betreff: Kampagnenstart „CDU besetzen? – Unbezahlbar!“

Am 1. Mai 2020 beginnt die bundesweite Solidaritätskampagne „CDU besetzen? – Unbezahlbar!“. Diese Kampagne setzt sich die Ziele, weiterhin auf den völker-rechtswidrigen Krieg der Türkei in Nord- und Ostsyrien aufmerksam zu machen und die Aktivist*innen der CDU-Besetzung in Chemnitz vom 25.10.2019 zu unterstützen.

Am 25.10.2019 wurde das CDU-Büro von Frank Heinrich (MdB) in Chemnitz
für über vier Stunden besetzt gehalten und durch eine spontane Kundgebung
am Markt unterstützt. Die Aktivist*innen protestierten mit dieser Aktion gegen
den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türkei in Nordostsyrien, der von der Bundesregierung gebilligt und unterstützt wurde.

Die Kampagne plant, die Besetzung thematisch aufzuarbeiten und die Perspektive der Aktivist*innen in den Vordergrund zu stellen. Außerdem soll die Öffentlichkeit über die im Nachgang der CDU-Besetzung laufenden Verfahren gegen die Inter-nationalist*innen informiert werden. Dazu wurde im Rahmen der Kampagne eine Internetseite mit umfangreichen Informationen zu der Besetzung, der Kampagne und dem Genozid in Kurdistan erstellt.

Ab dem 1. Mai 2020 finden öffentlichkeitswirksame Aktionen sowie eine mediale Kampagne statt, um auf die Prozesse und die Thematik aufmerksam zu machen.

Weitere Informationen finden Sie unter:
cdubesetzen.noblogs.org

Mit freundlich Grüßen,

CDU besetzen? – Unbezahlbar!

Beitrag mit Radio T – Besetzung, aktuelle Lage und Kampagne (März 2020)


Zu allen Abkürzungen und Namen von Organisationen findet ihr eine kurze Beschreibung in der Übersicht zu kurdischen Organisationen und anderen Parteien in Kurdistan oder in der Übersicht zu faschistischen Organisationen in Kurdistan.

Radio T versteht sich als lokales und zugangsoffenes Bürger*innenradio und als Bereicherung der Rundfunklandschaft, indem es sich in Programm und Struktur zu den öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Rundfunkanbietern in Sachsen abgrenzt. Die Berichterstattung soll sich auf Personen, Gruppen, Themen und Zusammenhänge konzentrieren, die in den etablierten Medien wenig oder gar nicht vorkommen. Radio T ist Mitglied im Bundesverband Freier Radios (BFR).


Beitrag vom 10.03.2020

GLIEDERUNG

1. PERSPEKTIVE ROJAVA
2. BESETZUNG DES CDU-BÜROS
3. SOLIKAMPAGNE „CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!“
4. AKTUELLE LAGE IN SYRIEN UND DEN EU-AUßENGRENZEN
5. BILDUNGSWOCHEN: „ROJAVA – EINE UTOPIE?“

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1. PERSPEKTIVE ROJAVA

Radio T: Im vergangenen Jahr wurde in Chemnitz das Büro der CDU besetzt. Anlass war der türkische Angriffskrieg gegen die kurdische Bevölkerung, der in Nord-Syrien erneut ausgebrochen war. Was aus einem Artikel des MDR
Sachsen hervorgeht, ist, dass die Polizei laut den Besetzer*innen mit viel
Gewalt das Büro geräumt hatte. Ich habe zwei der Besetzer*innen als Gäste
eingeladen, um ihnen ein paar Fragen zu stellen. Danke, dass ihr hier seid, Clara und Coco! Am 9. Oktober 2019 startete die Türkei den völkerrechts-widrigen Vernichtungskrieg gegen Rojava. Aus diesem Grund wurde Ende Oktober das CDU-Büro von Internationalist*innen besetzt. Was ist Rojava?

Clara: Im syrischen Teil von Kurdistan wurden im Zuge des Arabischen Frühlings und dem Machtvakuum des syrischen Bürgerkriegs Gebiete von der Herrschaft der regierenden Baath-Partei unter Präsident Assad durch die Selbstverteidigungs-einheiten YPG/YPJ befreit und eine Revolution ausgerufen. Umgehend wurde von der Bevölkerung mit der Umsetzung des Demokratischen Konföderalismus in den Kantonen Rojavas – Afrîn, Kobanî und Cizîre – begonnen. Unter Kriegsbeding-ungen nahmen die Kurd*innen in diesen Gebieten zusammen mit den verschieden-sten ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen die Selbst-verwaltung in Angriff. Dabei mussten neben der eigenen Bevölkerung auch hunderttausende Kriegsflüchtlinge aus anderen Teilen Syriens versorgt werden, wobei UN-Organisationen nicht die geringste internationale Hilfe leisteten. Des Weiteren wurde die Revolution in Rojava zusätzlich durch ein wirtschaftliches Embargo belastet, das sowohl durch die Türkei, an welche die Kantone Rojavas angrenzen, als auch durch die kurdische Autonomieregion im Nordirak verhängt wurde. Mit logistischer Unterstützung durch die Türkei vermehrten sich schnell die Angriffe islamistischer Milizen wie der al-Nusra-Front und des Islamischen Staates (IS) auf die kurdischen Kantone. Seitdem verteidigt die Bevölkerung der Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyrien das Gebiet gegen den IS, andere dschihadistische Milizen und Angriffe imperialistischer Staaten und organisiert weiterhin erfolgreich und entschlossen die Revolution.

Radio T: Welche Bedeutung hat Rojava im Mittleren Osten?

Clara: In Nordostsyrien entwickelt sich ein demokratisches Projekt, das Menschen auf der ganzen Welt Hoffnung gibt. Rojava ist zum Symbol geworden, für eine neue Form des solidarischen Zusammenlebens, welches die Freiheit des Einzelnen, die Rolle der Frau und der Ökologie in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellt. Die Men-schen, vor allem die Frauen in Rojava, haben nicht nur Syrien vom IS befreit, son-dern nachhaltig die verschiedensten Ethnien, Kulturen und Religionen in der Region vereint. Im Schatten von faschistischen Diktaturen und korrupten staatlichen Ver-waltungen organisieren die Menschen vor Ort demokratische Wege des gemein-schaftlichen Zusammenlebens, um jedem einzelnen, unabhängig von Herkunft und Religion, die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu ermöglichen. Allgemein handelt es sich bei der Praxis in Rojava also um ein Gesellschaftsmodell, welches Lösungsansätze für gesellschaftliche und zwischenstaatliche Konflikte im Mittleren Osten und auf der ganzen Welt anbietet.

Radio T: Ihr als Internationalist*innen fühlt euch sehr verbunden mit der kurdischen Freiheitsbewegung und der Selbstverwaltung. Welche
Bedeutung hat Rojava für die Internationalistische Linke?

Coco: Laut unserer Analyse erlebten Linke Bewegungen auf der ganzen Welt einen ideologischen Tiefschlag und einen immensen Verlust von Utopie und Orientierung durch den Zusammenbruch der Sowjetunion. Spätestens seitdem befinden wir uns in einer tiefen ideologischen und organisatorischen Krise. Einer der Gründe dafür ist eine mangelnde historische Analyse in Bezug auf das Scheitern des Realsozialis-mus und die Ableitung angemessener Konsequenzen für die politische Organisie-rung revolutionärer Bewegungen. Die internationalistische Linke ist nicht in der Lage, den gegenwärtigen Krisen der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, ge-schweige denn, sie zu bewältigen. Die Ideen von Abdullah Öcalan, dem ideologi-schen Vorreiter der Freiheitsbewegung, bieten umfassende Analysen und Lösung-en für die Krisen dieser Welt, wie das Patriarchat, den Kapitalismus und die Klima-krise. Die Konzepte, die Öcalan im 5-Personen-Gefängnis auf Imrali entwickelt hat, wo er seit seiner illegalen Verschleppung durch Geheimdienste 1999 in nahezu vollständiger Isolation gefangen gehalten wird, bieten fortschrittliche Ansätze auf dem Weg zur Befreiung der Gesellschaft von Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt. Die Konzepte der Demokratischen Moderne, der Demokratischen Nation und der Demokratischen Autonomie, sowie das Organisierungsmodell des Demo-kratischen Konföderalismus, welche Öcalan basierend auf einer umfassenden historischen und gesellschaftlichen Analyse entwickelte, überbieten geläufige soziologische Theorien in vielen Aspekten wie Genauigkeit, Progressivität und Komplexität. Aus diesen Gründen sehen wir in der kurdischen Befreiungsbewe-gung und der praktischen Umsetzung der Theorien Öcalans in Rojava eine neue und möglicherweise weltveränderndernde Utopie, welche ein Lichtblick und Orien-tierung für fortschrittliche Bewegungen auf der ganzen Welt darstellen kann.


In diesem Lied geht es um die Suche nach der eigenen Identität in der Geschichte.


2. BESETZUNG DES CDU-BÜROS

Radio T: Aus internationalistischer Perspektive klingen die Ideen der Freiheitsbewegung ziemlich mitreißend und vielversprechend. Welche
Rolle spielt die Politik der CDU im Krieg gegen Rojava?

Clara: Die guten Beziehungen der Bundesregierung zum Türkischen Staat, türkisch-nationalistischen und faschistischen Organisationen in der Türkei und in Deutschland ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Besonders hervorzuheben ist die kontinuierliche Zusammenarbeit von Regierungsparteien wie der CDU/CSU und der SPD mit der MHP (also der Partei der Nationalistischen Bewegung) und den Grauen Wölfen, eine Organisation türkischer Rechtsextremis-ten. Durch die Genehmigung von Rüstungsexporten an die Türkei unterstützt die Bundesregierung den Krieg gegen Rojava ideologisch und militärisch. Auch durch umfassende Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei spielt die Regierung dem faschistischen Staat in die Hände. Vollständig abhängig gemacht von den politischen Zielen Erdogans hat sich die Regierung und ganz Europa durch das EU-Türkei-Abkommen von 2016. Schlussendlich arbeiten die Repressionsor-gane beider Regierungen eng zusammen. In Deutschland sind laut offizieller Infor-mation über 3000 Mitarbeiter*innen des Türkischen Geheimdienstes MIT statio-niert. Die Bundesregierung unterstützt die faschistische Kurd*innen-Politik der Türkei aktiv durch die Kriminalisierung der kurdischen Freiheitsbewegung. Politische Manöver der Türkei werden traditionell begleitet von massiven Repressionswellen der deutschen Strafverfolgungsbehörden, wie zB in den
90er Jahren nach der Verschleppung von Abdullah Öcalan und auch heute,
im Zuge des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges von Erdogan.


Dieses Lied ist insbesondere der Kämpferin Sara gewidmet, die zusammen mit den beiden anderen Revolutionärinnen Ronahî und Rojbîn im Auftrag des türkischen Geheimdienstes hingerichtet wurden. Am 9. Januar 2013 wurden die kurdischen Politikerinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Saylemez in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in Paris heimtückisch ermordet. Sakine Cansiz (Sara) und Fidan Doĝan (Rojbîn) wurden mit Kopfschüssen, Leyla Saylemez (Ronahî) mit Schüssen in Kopf und Bauch getötet.

Radio T: Was passierte am 25. Oktober im CDU-Büro in Chemnitz?

Clara: Um gegen die kriegerische Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der Türkei zu protestieren, besetzten am 25. Oktober 13 Internationalist*innen erfolg-reich das CDU-Wahlkreisbüro am Markt in Chemnitz. Im Verlauf eines simulierten Interviews mit der Kreisvorsitzenden gelangten die Aktivist*innen gewaltfrei und unbewaffnet in das Parteibüro. Drei der Besetzer*innen ketteten sich mit Eisen-schlössern irreversibel an eine Absturzsicherung am Fenster. Aus den Fenstern im zweiten Stock wurde während der ganzen Besetzung mit Passant*innen und der unterstützenden Kundgebung vor dem Haus der CDU-Geschäftsstelle kommuni-ziert. Während den Verhandlungen mit der Polizei und der anschließenden Räu-mung verhielten sich alle Besetzer*innen ruhig und friedlich. Durch Angebote, Provokationen und Beleidigungen von Einsatzleitung und Beamten ließen sich die Internationalist*innen nicht aus dem Konzept bringen. Trotz aller Zurückhaltung wendete die Polizei bei der Räumung permanent Schmerzgriffe und rohe Gewalt an. Nach fast vier Stunden war das CDU-Büro vollständig geräumt. Allen Beset-zer*innen wurde nach der Räumung ein Platzverweis erteilt, eine Internationalistin wurde aus inszenierten Gründenfür mehrere Stunden in der Hauptwache gefangen gehalten. Nach der Aktion suchten zwei Internationalist*innen mit Verletzungen an Kopf, Händen und Rippen einen Notfallchirurgen auf. Im Nachgang der Aktion wurden alle 13 Besetzer*innen beschuldigt, sich strafbar gemacht zu haben des Hausfriedensbruchs, der Nötigung und des Verstoßes gegen das Verbot von
Vermummung u. Schutzwaffen bei Versammlungen.


3. SOLIKAMPAGNE „CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!“

Radio T: Im Nachgang der CDU-Besetzung wird momentan eine Spendenkampagne unter dem Namen „CDU BESETZEN? UNBEZAHLBAR!“ organisiert. Welche Ziele werden mit der Kampagne verfolgt?

Clara: In der Hoffnung, eine keinesfalls vollständige, jedoch einführende Über-
sicht über die politische Motivation hinter der Besetzung, den Ablauf der Aktion
und die darauffolgende staatliche Repression geben zu können, wurde ein Blog
ins Leben gerufen: cdubesetzen.noblogs.org
Einerseits hoffen wir auf umfangreiche finanzielle, öffentlichkeitswirksame und organisatorische Unterstützung zur Realisierung unserer Spendenkampagne, andererseits ist es uns ein tiefes Anliegen, die Notwendigkeit der Verteidigung dieser einzigartigen Revolution in Rojava präsent zu halten. Der öffentliche
Umgang mit Repression soll somit nicht nur der Unterstützung der Inter-nationalist*innen dienen, sondern vor allem an den barbarischen Krieg
erinnern, der jeden Tag in Rojava tobt!

Radio T: Wie kann die Kampagne „CDU BESETZEN?
UNBEZAHLBAR!“ unterstützt werden?

Clara: Eine Spendenkampagne lebt vor allem durch Vielfältigkeit und
Multiplikator*innen. Auch wenn wir, die Internationalist*innen der CDU-
Besetzung vom 25.10.19 und unser soziopolitisches Umfeld, unser Bestes
geben, um weiterhin gegen den Genozid in Kurdistan vorzugehen, auf den
Komplex der kurdischen Freiheitsbewegung aufmerksam zu machen und die
Repressionskosten für die Verfahren im Nachgang der CDU-Besetzung zu
decken, sind unsere Möglichkeiten in Chemnitz doch begrenzt. Deswegen
brauchen wir die praktische Solidarität von euch! Wir hoffen, mit unserer
Analyse und unseren Aktionen, ein wenig für Inspiration zu sorgen und die
Notwendigkeit einer internationalistischen Intervention in Europa hervor zu
heben. Wir erwarten nicht, dass ihr eure Arbeitsschwerpunkte und sozialen
Kämpfe vernachlässigt, um uns zu unterstützen, aber wir wünschen uns ein
wenig Rückhalt und gedankliche Teilhabe. Wir hoffen darauf, dass ihr unsere
Kampagne und unsere Ziele bei euren Projekten mitdenkt.
Wir freuen uns auf eure Aktionen und Spenden!

Radio T: Auf der Website der Kampagne wurden verschiedene
Möglichkeiten aufgeführt, wie die Kampagne von Einzelpersonen
oder Gruppen, Vereinen und anderen Organisationen unterstützt
werden kann. Könnt ihr das etwas konkretisieren?

Coco: Macht über eure Internetkanäle, analoge Medien und in euren Räumlich-keiten auf den Krieg in Kurdistan, die CDU-Besetzung in Chemnitz und die Soli-kampagne aufmerksam! Schickt unseren Spendenaufrauf an alle befreundete Gruppen / Vereine / Organisationen. Je mehr Menschen von der Kampagne erfahren, desto mehr Spenden können aquiriert werden und umso mehr Men-
schen werden auf den unmenschlichen Krieg in Kurdistan aufmerksam!

Clara: Überlegt, ob in euren Räumlichkeiten oder in anderen Locations Soli-
material (Plakate, Flyer) aufgehängt oder verteilt werden können. Fragt direkt in den Locations, ob das möglich ist oder schickt uns gern eine Liste und wir übernehmen die Kommunikation. Wir bemühen uns, das Solimaterial zeitnah zu verschicken!

Coco: Überlegt, ob ihr als Gruppe / Verein / Organisation, Geld für die Soli-kampagne spenden könnt, um somit die Kampagne und Repressionskosten
teilweise zu finanzieren. Erzählt euren Mitgliedern und eurem Publikum von der Kampagne und bittet sie um eine Spende. Auch kleine Beträge sind wertvoll!

Clara: Überlegt, ob ihr Kapazitäten habt, um Spendenaktionen zu starten. Zum Beispiel könnt ihr bei euren Veranstaltungen Spenden sammeln. Auch in soli-
darischen Clubs oder bei kulturellen – oder Bildungsveranstaltungen können Spendendosen am Einlass aufgestellt werden. Mit einer Essensbude, einer
Cocktailbar oder anderen Verkaufsständen bei Festivals, Stadtfesten oder Nach-barschaftsevents kann schnell und einfach viel Geld eingenommen werden. Durch Solipartys kann in kurzer Zeit sehr viel Geld eingenommen werden. Es gibt viele Möglichkeiten! Schreibt uns gern an, um eure Ideen zu diskutieren oder falls ihr euch organisatorische Hilfe wünscht. Schickt uns gern Fotos von euren Aktionen!

Coco: Wenn ihr Kontakt zu Journalist*innen, Medienschaffenden oder Presse-vertreter*innen habt, oder es in eurer Stadt ein cooles Stadtmagazin gibt, könnt
ihr anfragen, ob die Möglichkeit besteht, unseren Spendenaufruf abzudrucken, ein Interview mit uns zu führen oder auf andere Weise auf die Kampagne aufmerksam zu machen! Andernfalls freuen wir uns auch über die Vermittlung von Kontakten oder Hinweise auf Medien, welche uns unterstützen könnten!


4. AKTUELLE LAGE IN SYRIEN UND AN DEN EU-AUßENGRENZEN

Radio T: Mit der Besetzung wolltet ihr auf den Krieg in Rojava aufmerksam machen, wie ist die Lage aktuell in Nord- und Ost-Syrien?

Coco: Im Januar/Februar 2018 erfolgte die Annexion von Afrin durch die Türkei und ihre dschihadistischen Verbündeten. Seitdem erlebt die lokale Bevölkerung die Er-richtung eines islamischen Kalifats. Damit einher gehen die Durchsetzung der Ge-setze der Sharia (v.a. durch FSA- u. Al-Nusra-Kämpfer, wovon besonders Frauen u. ethn. Minderheiten betroffen sind), Prozesse der ethnischen Säuberung, Vertrei-bung von Kurd*innen u. Armenier*innen, Vergewaltigungen, Entführungen u. Löse-gelderpressung und barbarische Exekutionen. Die Islamisten, welche Afrin beset-zen, widmen sich der Zerstörung von kulturellen u. religiösen Einrichtungen, Bau-werken und Gedenkstätten. Außerdem bemüht sich der türkische Staat um die Ansiedlung von dschihadistischen (meist arabischen) Familien aus der Türkei u. Syrien zur demografischen Veränderung der Region. Mit Befreiung der letzten Hochburg des IS in al-Bagouz wurde ein militäri-scher Sieg der YPG/YPJ über den sog. Islamischen Staat in Rojava errungen. Am 9. Oktober 2019 erfolgte schließlich der Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs-krieges der Türkei auf die demokratische Selbstverwaltung. Die Angriffe der Türkei auf Nord- und Ostsyrien nahmen nach dem Sieg über IS zu und mündeten schließ-lich in der Invasion, die mit Hilfe islamistischer Proxys im Dienste Ankaras seit knapp 4 Monaten andauert. Der türkische Besatzungsstaat führt gemeinsam mit seinen Dschihadistenmilizen und unter Einsatz von Panzergeschützen, Bodenartil-lerie, Kampfdrohnen und Kriegsflugzeugen entlang der gesamten Grenze zu Nord-syrien und Nordostsyrien genozidale Angriffe durch. Hervorzuheben sind beson-ders Angriffe der türkischen Armee und ihrer dschihadistischen Söldnertruppen auf Gefängnisse und Camps in Rojava, wo besonders viele IS-Kämpfer leben. Infolge dieser Angriffe gelang es hunderten Dschihadisten, zu fliehen – viele von ihnen reorganisierten sich nachweislich in islamistischen Milizen wie Jabhat al-Nusra und der FSA in Syrien. Der Großteil der Bodentruppen Erdogans besteht aus Söldnern der Freien Syrischen Armee, die sich nun „Syrische Nationale Armee“ nennen. Die-se Truppen wurden von der Türkei aus verschiedenen sunnitisch-muslimischen arabischen und turkmenischen bewaffneten Gruppen zusammengestellt. Alle Gruppen, die nun diese neue Bodentruppe bilden, sind in der Vergangenheit durch Kriegsverbrechen bekannt geworden. Die Mehrheit von ihnen hat direkte oder indirekte Beziehungen zum Islamischen Staat (IS). Die Aufstellung und Unterstüt-zung von dschihadistischen Söldnertruppen durch die Türkei, deren Zusammen-arbeit sowie weitreichenden Verbindungen zum IS sind ebenfalls während dieser Invasion dokumentiert worden. Der türkische Staat setzt dabei dschihadistische Gruppen als institutionellen Bestandteil seiner Bodentruppen ein, um die Beset-
zung aufrecht zu erhalten und die Bevölkerung in den eroberten Gebieten zu unterdrücken.


(deutsch)

Radio T: Wie geht die Türkei gegen Rojava vor?

Coco: Allgemein setzt die türkische Armee auf unterschiedslose Kriegsführung. Insbesondere entlang der Grenzlinie wurden und werden zivile Siedlungsbiete intensiv bombardiert. Nach QSD-Angaben hat die Türkei seit Beginn des Krieges gegen Nordsyrien über 380 Luftangriffe durchgeführt. Weitere knapp 1.100 Angriffe erfolgten mit Panzern, schweren Waffen und weiterer Bodenartillerie. Die Unter-schiedslosigkeit der türkischen Kriegsführung zeigt sich in Angriffen auf Personen der Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel die gezielte Attackierung von zivilen Kon-vois. Ein Beispiel für diese Vorgehensweise ist die Hinrichtung der Politikerin Hervin Khalaf von der Zukunftspartei Syriens und ihrer Begleitpersonen.

Hevrin Khalaf, gewaltvoll ermordet von Dschihadisten von Ahrar al-Sharqiya in der Nähe der Verkehrsstraße M4 am 12. Oktober 2019

Zusätzlich nahmen mit Beginn der Invasion dschihadistische Anschläge in den Gebieten der Selbstverwaltung zu, wie etwa Selbstmordattentate und Autobomben im Zentrum von Städten. Die gezielte Zerstörung von ziviler Infrastruktur, wie der Bombardierung von Krankenhäusern, Trinkwasserversorgungsanlangen und der Stromversorgung, sowie der Begrenzung der Wasserzufuhr nach Syrien durch Stauung und Regulation der Wasserdurchlässigkeit von Staudämmen in der Türkei, verstehen wir als massiven Angriff auf die Zivilgesellschaft. Die Auswirkungen die-ser Kriegsführung äußern sich durch Wasserknappheit in den Städten und Dörfern Rojavas, folglich in der Einschränkung der Möglichkeiten der Landwirtschaft und massiver Versorgungsknappheit durch die Behinderung der autarken Lebensmittel-produktion. Von international anerkannten Wissenschaftler*innen wurde der Einsatz von weißem Phosphor gegen die Zivilgesellschaft bestätigt. Weißer Phosphor ist die gefährlichste Form des Phosphors. In Brandbomben wird die Substanz mit Kautschukgelatine versetzt. Somit bleibt die zähflüssige Masse an der bis dahin noch nicht brennenden Person, die Kontakt mit dem Kampfstoff hatte, haften und wird weiter verteilt. Neben der Brandwirkung und den schwer heilenden Verletzung-en sind weißer Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig. Der Einsatz von Phosphor-bomben als Brandwaffen gegen Zivilpersonen ist entsprechend dem Verbot von unterschiedslosen Angriffen in den Zusatzprotokollen zur Genfer Konvention ver-boten. Es wurde dokumentiert, dass türkischen Streitkräfte in bewohnten Regionen wie Serêkaniyê und Girê Spî Chemiewaffen vor allem gegen Frauen und Kinder eingesetzt haben. Die OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen) hatte eine Untersuchung der Chemiewaffeneinsätze in Nordsyrien aufgrund fehlen-den Mandats abgelehnt, nachdem sie eine Spende über 30.000 Euro von der Tür-kei erhalten hatte. Die Besatzungstruppen greifen trotz angeblichem Waffenstill-standsabkommen weiterhin großflächig die selbstverwalteten Gebiete in Rojava an. Die Städte Serêkaniyê und Girê Spî, sowie die umliegenden Gebiete sind durch die Absegnung Russlands und der USA vollständig von der Türkei und ihren verbündeten Truppen besetzt worden.

Radio T: Welche demografischen Auswirkungen zeigen sich jetzt, 4 Monate nach Beginn des großangelegten Angriffskrieges der Türkei in Rojava?

Coco: Trotz größter Anstrengung konnte im Zuge des Angriffskrieges nur ein Teilgebiet von Rojava erobert werden. Das besetzte Gebiet entlang der türkisch-syrischen Grenze (also Gire Spi, Serekaniye) erstreckt sich ca 30km von der türkischen Grenze aus nach Süden und ca 170km entlang der Grenze. Dieses Gebiet entspricht ungefähr 10% der Gesamtfläche der Demokratischen Admini-stration Nord- u. Ostsyrien. Es gibt anhaltende Invasionsangriffe seitens der türki-schen Armee und der mit ihr verbündeten Truppen auf die Regionen und Städte von Tel Temer und Ayn Issa sowie an vielen Stellen entlang der internationalen Ver-kehrsstraße M4, um diese Städte zu kontrollieren und zu isolieren. Zudem wird die Bodeninvasion weiterhin durch Luftangriffe von türkischen Kampfflugzeugen und Drohnen (UAV) unterstützt. Infolge dieser Angriffe sind knapp 400.000 Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben worden. Ca 500 Zivilist*innen wurden getötet, weitere 2.700 verletzt. Die QSD erwidern jegliche Art von Angriff auf Grundlage der legitimen Selbstverteidigung. Die QSD unterstreichen die besondere Rolle der Frauenverteidigungseinheiten YPJ (Yekîneyên Parastina Jin) beim Widerstand in Rojava. Im Zuge der Verteidigung wurden 1.500 türkische Soldaten und islamisti-sche Proxys getötet. Knapp 300 Angehörige der Invasionstruppen wurden verletzt. Infolge dieser Verstoße ist es bisher zu ca 500 Verlusten in den Reihen der Demo-kratischen Kräfte Syriens gekommen. 1.500 Kämpferinnen und Kämpfer wurden verletzt, weitere 70 Angehörige sind in Gefangenschaft geraten.


In diesem Lied geht es um die Verteidigung Rojavas.

Durch die türkische Invasion in Nordsyrien wurden hunderttausende Menschen zu Geflüchteten und Binnenvertriebenen, die sich noch immerin dem von der autono-men Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens verwalteten Gebiet befinden. Seit dem 2. November wurden ca 400.000 Menschen durch die türkische Invasion vertrie-ben, Frauen und Kinder sind dabei von gravierenderen Auswirkungen betroffen. 150.000 davon befinden sich nun in der Jazeera-Region. Die Geflüchtetenlager in Rojava, welche auch Tausende Menschen aufgenommen haben, die vor den Aus-wirkungen des Syrienkrieges fliehen mussten, sind maßlos überfüllt und erhalten keinerlei humanitäre Unterstützung durch internationale Hilfsorganisationen.

Radio T: Während der CDU-Besetzung wurden von den Internatio-
nalist*innen konkrete Forderungen verlesen. Welche Forderungen
stellt ihr nun in Anbetracht der aktuellen politischen Lage in Rojava
an die Internationale Gemeinschaft?

Clara: Unverzüglich müssen folgende Maßnahmen von der internationalen Gemeinschaft ergriffen werden, um die physische und soziale Krise zu
beenden, die durch die türkische Invasion verursacht wurde und in deren
Rahmen Gewalt, Vertreibung, Kriegsverbrechen, Not und Menschenrechtsverletzungen verübt werden:

• die Einrichtung einer “Flugverbotszone” über Nordsyrien zum Schutz
der Zivilbevölkerung vor willkürlicher Gewalt und Massakern

• der sofortige Rückzug der türkischen Besatzungsarmee und aller mit ihr verbundenen bewaffneten Gruppen aus dem Territorium Syriens, sowie die Beendigung der Besetzung, der Völkermordpraktiken und des Feminizids

• die Einrichtung einer Friedensmission der internationalen Gemeinschaft an
der türkisch-syrischen Grenze zur Verhinderung weiterer Angriffe der türki-
schen Armee und all ihrer verbündeter Milizen

• die umgehende Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei
und die sofortige Einstellung des gesamten Waffenhandels mit der Türkei

• und schließlich Sofortmaßnahmen zur umfangreichen humanitären Unter-stützung der Regionen der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens

Radio T: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei auf die Selbst-
verwaltung ist nicht das einzige Schlachtfeld Erdogans in Syrien. Seit Februar scheint die militärische Situation um Idlib zu eskalieren. Was
genau bedeuten die Gefechte in der Region nördlich von Aleppo?

Coco: Entsprechend der Versprechungen von Russland und dem syrischen Re-gime zur Erhaltung der Souveränität Syriens befreiten syrische Truppen im Februar die letzten Rebellengebiete nördlich von Aleppo. Durch massive Bom-bardierungen des syrischen Regimes auf Militärstützpunkte von FSA und Al-Nusra wurden türki-sche Soldaten getötet, welche sich in den Stellungen ihrer verbündeten Dschihadis-ten aufhielten. Daraufhin begann die Türkei, massiv Truppen nach Idlib zu verlegen und Vergeltungsschläge gegen syrische Truppen zu verüben. Die Luftschläge der türkischen Armee konnten nur durch die Eröffnung des Luftraumes durch Russland ermöglicht werden, was ein weiteres Anzeichen für die Doppelmoral der russischen Syrienpolitik darstellt. Die schweren Gefechte in Idlib zwischen türkischen Truppen und dem syrischen Regime sind Ausdruck des Scheiterns der internationalen Mächte. Das Scheitern der Türkei drückt sich aus in der inneren politischen und wirtschaftlichen Krise der Türkei (auch durch die Beteiligung der Türkei im syri-schen Bürgerkrieg) und dem Scheitern der politischen Einflussnahme in Syrien durch die Zerschlagung der Rebellenhochburgen von Al-Nusra und FSA. Das Scheitern der Türkei zeigt sich auch in einer zunehmenden Destabilisierung des politischen Ansehens der Türkei in der EU und im Westen durch Verhandlungen mit Russland und kriegerischen Handlungen entgegen internationaler Konventionen u. NATO-Bestimmungen. Auch aufgrund des Verkaufs der S400-Raketensysteme von Russland an die Türkei scheiterten die Hoffnungen Erdogans auf militärische Unterstützung der NATO und der USA in den Kämpfen um Idlib auf der Seite der türkischen Armee. Das Scheitern westlicher Staaten drückt sich aus in dem Ver-sagen bei dem Versuch einer einheitlichen europäischen Syrien-Politik mit dem Ziel der Beendung des Krieges in Syrien zur Auflösung von Fluchtursachen und der Demokratisierung der Region. Der momentane Höhepunkt im Syrienkrieg bewirkt erneut massive Fluchtbewegungen innerhalb von Syrien. Der Westen scheiterte auch bei der Bekämpfung des Terrorismus in Syrien durch Toleranz von Rebellen-hochburgen und der terroristischen Kriegsführung Erdogans, sowie politischer und militärischer Unterstützung an die Türkei.

Radio T: Am 5. März 2020 schlossen Putin und Erdogan einen vorläufigen Waffenstillstand durch das Moskauer Abkommen. Könnte sich dadurch
die Situation zwischen Russland und der Türkei in Syrien entspannen?

Clara: Das Moskauer Abkommen zwischen Putin und Erdogan ist schwammig und widersprüchlich. Es beinhaltet das Ziel der Aufrechterhaltung des Sotschi-
Abkommens vom September 2018. Beide Kriegsparteien haben als Grund für Kampfhandlungen Verletzungen des Sotschi-Abkommens genannt, allerdings scheinen Putin und Erdogan die Bestimmungen des Abkommens unterschiedlich zu interpretieren. Erdogan erklärte, dass die Türkei jeden Angriff des syrischen Regimes erwidern wird u. dass ein „neuer Status in Idlib“ unausweichlich sei. Putin hingegen beruft sich auf den Schutz der Souveränität und der territorialen Gesamt-heit Syriens, was als klare Absage an Erdogans hegemoniale Absichten in Idlib verstanden werden kann. Außerdem konstituierte Putin erneut die Notwendigkeit des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Diese Erklärungen deuten darauf hin, dass der ausgehandelte Waffenstillstand zwischen den beiden Groß-mächten nicht von Dauer sein wird. Ebenso werden im Rahmen des Abkommens viele Streitpunkte offen gelassen, wie zum Beispiel der Umgang mit den inter-nationalen Verkehrswegen M4 und M5, sowie den kürzlich von Assad zurück-eroberten Gebieten nördlich von Aleppo. Perspektivisch kann davon ausgegangen werden, dass Erdogan zur Reorganisierung der hegemonialen Macht der Türkei in Syrien weiterhin versuchen wird, Gebiete zu annektieren, vor allem in Rojava. Was Erdogan mit seiner Forderung nach einem neuen Status für Idlib vorschwebt, ist die Aufrechterhaltung seines Einflusses in der Region. Wenn er Idlib nicht vollständig halten kann, will er zumindest einen Teil des Gebiets einschließlich Efrin, Gire Spi und Serekaniye zum Ausbau seiner politischen und wirtschftlichen Interessen in der Hand behalten. Russland wird seine politische Präsenz in Syrien und im Mittleren Osten beibehalten und weiterhin danach streben, seine politische Einflussnahme in dieser Region zu konsolidieren.

Radio T: Im Zusammenhang mit Erdogans kriegerischen Absichten in Syrien öffnete die Türkei kürzlich die Grenze zu Griechenland für Geflüchtete. Was bedeutet diese Maßnahme für die EU und wie ist die Situation vor Ort?

Coco: Durch die Öffnung der Grenze zu Griechenland durch die Türkei wird das EU-Türkei-Abkommen (2016), der sog. Geflüchtetendeal, faktisch außer Kraft gesetzt. Erdogan benutzt schutzsuchende Menschen als Druckmittel gegen die EU, um militärische Unterstützung und weitere Gelder für die Finanzierung seines Krieges zu erpressen. Derzeit befinden sich ca 13.000 Geflüchtete an der Grenze der Türkei zu Griechenland. Die türkische Regierung betont, dass täglich tausende Menschen hinzukommen können. Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Türkei aktiv und gewaltvoll Menschen dazu drängt, die Grenze zu Griechenland zu passieren. Das griechische Militär hat bereits zwei schutzsuchende Menschen an der Grenze erschossen und geht mit Schusswaffen, Tränengas und körperlicher Gewalt gegen die Geflüchteten vor. Griechenland hat faktisch das europäische Asylrecht außer Kraft gesetzt und bekannt gegeben, für einen unbefristeten Zeit-raum keine Asylanträge zu bearbeiten. Menschen, die es geschafft haben, die Grenze zu passieren, sind der Gefahr ausgesetzt, direkt durch den griechischen Grenzschutz unter Anwendung von menschenunwürdigen Praktiken zurück in die Türkei abgeschoben zu werden oder mit Angriffen militanter Faschist*innen kon-frontiert zu sein. Seit der Grenzöffnung der Türkei wurden mehrere Angriffe von griechischen Neonazis auf Infrastrukturen von Geflüchtetencamps und Hilfsorgani-sationen dokumentiert. Journalist*innen und Mitarbeiter*innen von NGOs wurden bereits wiederholt gewaltsam attackiert. Aufgrund der asylpolitischen Haltung der EU zugunsten der Fluchtursachen und zu missgunsten der Geflüchteten in den letzten Jahrzehnten, sowie der Aussetzung des EU-Türkei-Abkommens durch die kürzliche Grenzöffnung erleben wir ein enormes Erstarken der militanten rechts-extremen Bewegungen in Europa, vor allem in EU-Grenzländern. Durch die gesell-schaftliche Toleranz und Ignoranz gegenüber faschistischen Strukturen in Europa, war es diesen möglich, in den letzten Jahrzehnten umfassende Netzwerke aufzu-bauen und eine gemeinsame Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Gewaltbereite Faschist*innen organisieren nicht nur illegale Aktivitäten im Untergrund, sondern verbreiten unter dem Schutz des Parlamentarismus legal ihre menschenverach-tenden Ideologien. Nun mobilisieren Rechtsextreme in ganz Europa an die Außen-grenzen, um die Abschottungspolitik in europäischer Tradition auf eigene Initiative fortzuführen. Die Reaktionen der Bundesregierung und der EU auf die Ereignisse an der türkisch-griechischen Grenze verstärken diese Entwicklungen ideologisch massiv. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankte Griechen-land dafür, dass „Europäische Schild“ zu sein und sagte weiterhin: „Die Türkei ist kein Feind und Menschen sind nicht nur ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen.“ Basierend auf der Argumentation der Kontrollsicherung und der Verhinderung
von gesellschaftlicher Destabilisierung unterstützt die EU die Abschottungs-
und Aufrüstungsprozesse an der griechischen Grenze. Erst kürzlich bewilligte
die EU 700 Millionen Euro für den griechischen Grenzschutz.

Radio T: Was muss in der Welt passieren, damit der Krieg in Syrien und die neoosmanischen Bestrebungen der Türkei eingedämmt werden können?

Clara: Es gibt keine einfache oder vollständige Antwort auf diese Frage, aber wir teilen die Analyse, dass internationale Phänomene sowohl in ihren Ursachen, als auch in ihren Auswirkungen behandelt werden müssen. Bei der Behandlung von Ursachen des Krieges bedarf es einer grundlegenden Veränderung der politischen Haltung des Westens zum Mittleren Osten, vor allem zur Türkei – hin zu einem lösungsorientierten außenpolitischen Handeln. Es bedarf wirtschaftlicher Konse-quenzen (zum Beispiel der Stoppung laufender Rüstungsexporte u dem Abbruch der Zusammenarbeit mit staatlichen Wirtschaftsakteuren in der Türkei). Bei der Behandlung von Auswirkungen des Krieges bedarf es der sofortigen Öffnung der EU-Grenzen für Schutzsuchende, sowie einer grundlegenden Reorganisierung der europäischen Asylpolitik. Es bedarf einer massiven Verfolgung von IS-Kämpfern und islamistischen Organisationen in Deutschland und auf der ganzen Welt. Allgemein muss jedoch, besonders in Ostdeutschland, der Kampf gegen den Faschismus in den Parlamenten, den Medien und auf Straße kontinuierlich
und ehrgeizig geführt werden.


In diesem Lied geht es um den Widerstand der Guerilla in Kurdistan.


5. BILDUNGSWOCHEN: „ROJAVA – EINE UTOPOIE?

Die Menschen, welche die Veranstaltungen organisieren, wollen gemeinsam mit
den Besucher*innen die verschiedenen Aspekte der Selbstverwaltung und der Freiheitsbewegung kennenlernen und diskutieren. Dazu laden sie alle herzlich ein, zu der Veranstaltungsreihe „ROJAVA – eine Utopie?“, die von März bis Mai an unterschiedlichen soziokulturellen Orten in Chemnitz stattfinden wird.

Themen:
• Einführung Rojava
• Geschichte der kurdischen Bewegung
• Jugendbewegung in der Türkei
• Widerstand in türkischen Foltergefängnissen (Diyabakir)
• Demokratischer Konföderalismus
• Geschichte der Frauenbefreiungsbewegung
• Jineoloji
• Ökologie / Klimagerechtigkeit und Antifaschismus
• BRD und Türkei

Anmerkung: Die Verantstaltungsreihe „Rojava – Eine Utopie?“ wurde aufgrund der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit vertagt.